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Kein Krieg in der Gartenlaube
Abiturienten blicken ins Jahr 2030
> Vorwort
> Was ist los im Jahr 2030?
> Konflikte, Afrika, Global Player
> Vor dem Abiball 2009
> Deutschland
> Private Lebensplanung |
| Vorwort |
Die Abiturienten 2009 haben bereits vor wenigen Tagen die
Dreieichschule verlassen, doch da schon fast traditionsgemäß ihr
Jahrbuch noch nicht fertig geworden ist, hier ein Auszug, in dem die
Schüler einen Blick ins Jahr 2030 werfen.
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| Was ist los im Jahre 2030? |
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Was ist los im Jahre 2030? Das fragte ich bei meinen 21 Schüler/innen des Grundkurses ’Politik und Wirtschaft’ schriftlich kurz vorm Abitur ab.
Am pessimistischen werden die Aussichten gesehen für die Weltpolitik: China und USA könnten um die Vorherrschaft streiten. Ein Schüler schreibt: „Ich traue der USA wegen des Verlustes der Dominanz zu, die Welt militärisch (…) zu formen.“ Ein anderer über China: „Ein Land auf seinem Weg nach oben hält nichts auf, ob mit Demokratie oder Kommunismus.“
Am Schluss kann es nur eine Weltmacht geben
Nur wenige sehen ein friedliches Gleichgewicht, denn „am Schluss kann es nur eine Weltmacht geben.“ Immerhin wird auch prognostiziert, dass die NATO „die Weltpolizeirolle der USA übernehmen könnte.“
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| Konflikte, Afrika, Global Player |
Die Folgen des Klimawandels und der Energiehunger der Welt werden am häufigsten als Konfliktgründe genannt. „Eroberungskriege wie im 20.Jhd. wird es wahrscheinlich nicht mehr geben. Die Konflikte werden sich um kulturelle Werte, Religion sowie Verknappung lebenswichtiger Ressourcen wie z.B. Trinkwasser und Öl drehen.“ - „Ich schätze die Eingriffe über das Internet für folgenschwerer und wahrscheinlicher ein als der Besitz und das Zünden einer Atombombe.“
Krieg ist ein Geschäft geworden
Für Afrika sieht man keine Hoffnung: „Große internationale Konzerne haben sich die Rechte an den Rohstoffen auf Jahrzehnte gesichert und (…) wachen über den Abbau und Export.“
Ein anderer ergänzt: „ Krieg ist ein Geschäft geworden. Die Söldnerschaft erlebt einen Zuwachs wie seit dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr.“
Dänemark hat auf Grönland Öl gefunden ...
Nur ein Schüler sieht auch einen neuen Global Player auf der Weltbühne auftauchen: „Dänemark hat auf Grönland Öl gefunden und ist damit Aufsteiger der letzten zwanzig Jahre. Die kleine Monarchie ist mittlerweile zur Atommacht aufgestiegen, um im Machtpoker mit dem Weißen Haus und dem Kreml auf Augenhöhe mitreden zu können.“
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| Vor dem Abiball 2009 |


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| Deutschland |
Und was passiert in Deutschland, wie wird sich unsere Gesellschaft darauf einstellen und verändern?
... so dass die Mittelschicht fast vollständig verschwindet
Alles wird von Europa bestimmt, meinen viele, in der EU „regieren monopolartige Konzerne“, „die EU-Kommission ist als Aktiengesellschaft an diversen Börsen angemeldet.“ In der Bundesrepublik wird „die Schere zwischen Arm und Reich immer größer (…), so dass die Mittelschicht fast vollständig verschwindet.“
... einen Bundeskanzler aus einer türkischen Partei ...
„Altersarmut ist kein verbreitetes Phänomen mehr, sondern die Norm.“ Einige befürchten auch den „gläsernen Bürger“. „Der Überwachungsstaat wird so lange ein Thema bleiben, wie wir uns vom Terrorismus bedroht fühlen.“ Es gibt nur einzelne Aspekte, die dieses düstere Bild aufhellen. Es wird spekuliert, dass es in 25 Jahren vielleicht „einen Bundeskanzler aus einer türkischen Partei geben wird.“ Oder ist das sogar als Befürchtung gemeint?
Management und Effektivität sind wichtiger als Pädagogik und Didaktik
Eindeutig positiv ist aber die kühne Bemerkung, dass dann „die Schule nur noch 7 Jahre dauern“ werde… Wer dann „Lehramt studiert“, schreibt ein anderer, „braucht einige Semester BWL (…), denn Management und Effektivität sind wichtiger als Pädagogik und Didaktik.“
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| Private Lebensplanung |
Ich möchte ein ruhiges und gesittetes Familienleben führen
Ein harter Kontrast sind dann die Zukunftsskizzen der privaten Existenz. Hinter den schmalen Türen, die die Schreiber hier öffneten, strahlen die größten Hoffnungen, blinken paradiesische Idyllen.
„Ich möchte ein ruhiges und gesittetes Familienleben führen“, sagt einer für viele in fast identische Formulierungen, in denen sich auf eine „stabile Partnerschaft“, „ein Haus im Grünen“ und einen „gut bezahlten Job“ gefreut wird. „Jedenfalls muss er so gut bezahlt sein, dass ich jedes Jahr in Urlaub fahren kann.“
Abgefunden habe ich mich schon damit, dass das Alter Krankheit mit sich bringen könnte
Immerhin werden auch Verwerfungen angemerkt. „Ich hoffe, dass mir mein Beruf Spaß macht. Aber: Ob man da noch Familie und Beruf in Einklang bringen kann???“ - „Abgefunden habe ich mich schon damit, dass das Alter Krankheit mit sich bringen könnte.“ Doch der verbreitete Optimismus hat auch seine Basis, wie jemand ganz offen zugibt: „… um die Rente werde ich mir keine Sorgen machen, da meine Eltern schon jetzt fleißig in Immobilien investieren und ich ein ganzes Leben lang Zeit habe, dies zu tun.“
... bin ich 2030 also entweder tot oder reich
So scheint für die meisten Schüler/innen trotz der bedrohten und bedrohlichen Welt ein angenehmes Privatleben möglich. Einer bringt es auf den ultimativen Schlusspunkt: „Da ich kein Strandurlaub-, Party-, Shopping- oder sonstiger Geldverschwendungstyp bin, bin ich 2030 also entweder tot oder reich.“
Da bitte ich doch schon jetzt mal für den zweiten Fall, dass dieser Abiturient das Ehemaligentreffen 2030 durch eine großzügige Spende unterstützt.
Dort kann man dann ja mal die Prognosen nach ihrer Trefferquote durchgehen.
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Dr. W. Tschorn, Webteam, 7. 7. 2009 |
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