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INTERVIEW zu
„DOUBLE BIND oder es gibt noch freie Zellen"
dem kommenden Musical der Dreieichschule
mit Stefan Gunkel







> Bilder aus der Vorbereitungsphase
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Bilder aus der Vorbereitungsphase
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Interview mit Stefan Gunkel
Teil 1
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Stefan Gunkel

Die Musicalaufführungen von „DOUBLE BIND – oder: es gibt noch freie Zellen“ stehen bald vor der Tür (29.6 bis 1.7.) - was ist das Besondere an diesem Musical?

Natürlich, dass es das erste Musical ist, das die Dreieichschule komplett alleine entwickelt und produziert. Wir sind alle am Arbeiten wie verrückt und unsere geistigen und körperlichen Dynamos laufen auf Hochtouren. Wir sind also so gespannt wie noch nie auf das Ergebnis unserer diesjährigen großen Sommershow.



Wie lange gibt es denn schon die Idee mit dem eigenen Musical?

Schon eine ganze Weile. Ernsthaft schätze ich seit etwas mehr als einem Jahr.
Wir als planende Lehrer/innen haben uns seit vielen Jahren immer wieder viele professionelle und auch Amateurproduktionen angesehen und probegelesen und -gehört und haben bei vielem einfach gemerkt, das ist entweder zu altmodisch, zu schwer, zu lahm, oder zu abgedroschen für unsere Schule. Außerdem passen nur wenige Musicals, um genug unserer vielen talentierten Schüler/innen einzubinden. Da musste die Idee sich einfach irgendwann durchsetzen.

Wir haben ja jetzt schon viele Musicals aufgeführt und wissen einigermaßen, wie das läuft.
Dennoch gehörte natürlich ein Wahnsinns-Mut dazu, mal eben zu sagen: Wir brauchen die Profis nicht, wir machen das einfach selbst – zumal wir, glaube ich, bisher die Latte nicht gerade tief gehängt haben. Aber dann haben wir uns halt gesagt: „Schau’n wir mal – die Erfahrung ist es jedenfalls wert – also: no risk, no fun.“  




Um was geht es denn eigentlich in dem Stück?

Um darauf eine Antwort zu bekommen, liest man am Besten Dr. Tschorns Einführung in das Stück (à demnächst auf der DSL-Webseite). Ganz knapp gesagt geht es um eineiige Zwillinge bzw. um menschliche Klone und um Talente. Aber das ist sicher zu sehr vereinfacht.



Von wem ist denn das Stück jetzt eigentlich?

Es ist eine echte Gemeinschaftsproduktion, vor allem des Planungsteams (König, Preisler, Gunkel, Tschorn) – wir haben wirklich ungezählte Male gemeinsam an dem Konzept und vielen Einzelteilen herum „gebastelt“; aber in vieler Hinsicht ist es auch ein Stück der Schulgemeinde als ganzes, weil wieder viele, viele weitere Kollegen, viele Eltern und vor allem Hunderte von Schülern in irgendeiner Form beteiligt sind und oft  sehr viel Engagement und Kreativität einbringen.




Sind die Texte Englisch oder Deutsch?

Die Songs sind ganz überwiegend auf Englisch. Bei zwei, drei Songs haben wir experimentiert mit Deutsch und möglicherweise wird auch einiges auf deutsch gesungen – was genau wird noch nicht verraten - wenn’s klingt, ist uns eigentlich die Sprache auch egal; solange es uns gefällt, hoffen wir einfach, dass es dem Publikum auch Spaß macht. Beim High-School Musical hatten wir ja auch alle Texte (sogar auf der Gastspieltour in Frankreich) auf Englisch gelassen und das war kein Problem – eher im Gegenteil, glaube ich.

Die Songs und Texte sind überwiegend von mir, einen Song steuert unser Rockband-Coach Moritz Maier bei und einen Song hat ein Schüler (Timo Giesecke) zusammen mit mir geschrieben. Die Sprechtexte sollen natürlich möglichst von allen einigermaßen komplett verstanden werden – sie sind auf Deutsch. Dr. Tschorn hat sie auf der Basis des von uns gemeinsam entwickelten Handlungsrahmens geschrieben.    





Viele wollen sicher wissen: Was dann der Grund für die englischen Songs – es wird ja oft gefordert mehr deutsche Musik zu produzieren?

Na ja, die ganze Rock-, Jazz- und Pop-Musik kommt halt ursprünglich aus dem englischen Sprach- und Kulturraum. Wenn man, wie ich, damit aufgewachsen ist und außerdem halt Englisch-Lehrer ist, kommen einem die allermeisten Ideen ganz natürlich und meistens ausschließlich auf Englisch (lacht: Ich bin zwar auch nicht mehr der Jüngste, aber auch für mich waren schon die Beatles-Songs die eigentlichen „Volkslieder“, obwohl man damals auch noch mehr die deutschen kannte als heute). Normalerweise klänge das dann einfach selten richtig gut, die Texte danach künstlich ins Deutsche zurückzubasteln.

Ich bin auch wirklich der festen Überzeugung, dass sich die deutsche Sprache von der Klangstruktur in der Regel eher schlecht für Songwriting in der anglo-amerikanischen Songtradition eignet – nicht umsonst war der einzige [!] echte deutsche „Pop-Hit“, der sich in den letzten Jahrzehnten außerhalb Deutschlands durchsetzte  (Nenas „99 Luftballons“), dann international doch als „99 Red Balloons“ oder so ähnlich übersetzt am Start – um ehrlich zu sein, gefällt mir auch (außer den Rodgau Monotones, grins!) nicht sehr viel der deutschen Rock- oder Pop-Musik. 

Bildergalerie vom ersten Probenwochenende
Bildergalerie
Interview mit Stefan Gunkel
Teil 2


Gibt es denn für die Choreographie eine Vorlage wie bei bekannten Musicals?

Da müsst ihr natürlich Frau König fragen. Dieses Mal sicher eindeutig nicht, aber die Choreos waren ja auch früher schon immer absichtlich etwas ganz Einzigartiges und Neues, das Frau König mit den Tanzgruppen speziell für unsere Aufführungen komplett selbst entwickelte.

Stefan Gunkel während des Probewochenendes


Hat das Stück eine „Botschaft“?


Ich denke schon, dass fast jedes Stück – auch Musicals, die ja vor allem eher Spaß machen sollen und sich halt stark um die Musik drehen – irgendwie Haltungen, Gefühle oder sogar „Botschaften“ transportiert, selbst wenn es das scheinbar nicht will. Nimmt man Bernsteins „West Side Story“ (vielleicht das bisher beste Musical aller Zeiten), sieht man ja, dass Musicals sogar sehr intensiv aktuelle Themen bearbeiten können. Unser Stück hat ganz sicher ebenfalls ernste Inhalte als Grundlage, auch wenn wir natürlich vor allem viel Musik und Tanz „unterbringen“ wollten (also keine Angst um deinen Spitzenplatz, Lennie B.! J ).


Könnten Sie kurz formulieren, was für Sie eine Kernbotschaft von „DOUBLE BIND“ ist.


Nun, da ich ganz ursprünglich mal die Idee für ein „Zwillings-Musical“ hatte, kann ich das für mich grob sagen, auch wenn es sicher viele mögliche Interpretationen gibt. Knapp gesagt: „Jeder Mensch ist einzigartig und unvorhersehbar“, egal was die Wissenschaft oder sonstige Autoritäten des Zeitgeists euch vorgaukeln wollen.  Man könnte es auch mit Sting sagen: „Be yourself, no matter what they say.“ Aber genau wie die “Schönheit” liegt halt auch die „Botschaft“ eines Stückes am Ende im Auge des Beobachters.


Frau König und Herr Tschorn beim Probenwochenende




Wie kam es überhaupt ursprünglich zur Idee, das Zwillingsthema in den Mittelpunkt zu stellen?


Das hat auch wieder vielfältige Gründe. Erstens suchten wir ja immer mit endlosem Aufwand Stücke, die unseren Anforderungen genügten und zweitens hatten wir einfach seit einigen Jahren sehr musikalische Geschwister oder Zwillinge an der Schule. Carla und Ellen Janiel hatte ich schon vor fast neun Jahren als Klassenlehrer und die haben sich wirklich immer weiterentwickelt – aber nächstes Jahr sind sie halt nicht mehr bei uns. Da haben wir uns gedacht: Jetzt oder nie und los ging’s.

Außerdem fiel mir schon im Studium (ich bin ja auch Bio-Lehrer) auf, wie gerade in der Zwillings-Forschung (bzw. der Humangenetik allgemein) manchmal die Naturwissenschaften scheinbar einfach das menschliche am Menschen „wegforschen“ wollen – freier Wille, Ethik oder Individualität können so, fürchte ich, schnell „auf Affenniveau heruntergezogen“ werden.

Da gibt es meines Erachtens gelegentlich echt  blödsinnige und moralisch gefährliche Vereinfachungen und Selbstüberschätzungen der Forscher. Vor solchen Gefahren kann man sicher nicht oft genug warnen, gerade im Zeitalter des Klonens.




Aber sind die eineiigen Zwillinge nicht wirklich der beste Beweis dafür, dass die Gene festlegen, was aus uns wird?


Das kommt halt gerade drauf an, was man gerne beweisen will – die Zwillingsforschung sieht das leider teils wohl immer noch so. Ich persönlich finde, dass der klassische Gen-Begriff zwar für Blütenblätter und Erbsen OK sein mag, aber für die wirklich interessanten Eigenschaften der Menschen wahrscheinlich sehr wenig taugt. Die Wissenschaft erkennt das teils zwar langsam, aber manche Forscher erzählen halt immer noch eher selten, was sie alles noch nicht wissen.

In meiner aktuellen Klasse sind z.B: wieder zwei sehr musikalische eineiige Zwillinge, (Yvonne und Viviane Yang), die auch bei DOUBLE BIND mitmachen.  Beide spielen gut Klavier, aber eine ist Links- und die andere Rechtshänderin. Da wurde ich neugierig. Ich fand heraus, dass es das öfters bei eineiigen Zwillingen gibt und dass es sogar noch nicht einmal eine allgemein anerkannte, klar beweisbare Theorie gibt, wieso überhaupt Leute Links- oder Rechtshänder werden. Dasselbe gilt übrigens auch für komplexere „Merkmale“, wie z.B. Homo- und Heterosexualität bei eineiigen Zwillingen bzw. Menschen ganz allgemein!   

Wenn also noch nicht einmal vermeintlich grundlegende oder „einfache“ Eigenschaften von uns Menschen genetisch (weg-)erklärt werden können, ist es bis zum echten „Designer-Baby“ (zum Glück!) noch ein sehr weiter Weg. So genannte „Charakter-Gene“ sind vielleicht eher Quatsch.  

Eineiige Zwillinge sind jedenfalls je älter sie werden sicher viel unterschiedlicher, als es oberflächlich scheint (selbst ich kann Ellen und Carla inzwischen meistens unterscheiden J).
Die Zwillinge selbst wissen, glaube ich, sowieso sehr genau, dass sie keine „Kopie“ sind.




Ist das Stück denn dann also „Anti-Science“?


Sicher nicht. Jeder weiß ja, wie wichtig für unser komfortables Leben und unsere Gesundheit gerade die Naturwissenschaften sind. Allerdings „Anti-Klon“-mäßig ist es wohl schon; auf jeden Fall, was Menschen angeht. Ich fürchte, dass wir dieses Gespenst noch lange nicht los sind und dass allgemein die Gen-„Entschlüsselei“ noch sehr viele Kurzschluss-Gefahren birgt, durch die Menschen ungerecht behandelt oder in falsche Schubladen bzw. „Zellen“ (!) gesteckt werden können.


Muss man denn viel von Bio verstehen, um „DOUBLE BIND“ zu kapieren.

Nein, nein. Keine Angst – wie gesagt Musik und Action stehen wie immer bei den Dreieichschulaufführungen im Mittelpunkt und die Zuschauer können halt über die Hintergründe gerade so viel nachdenken, wie sie wollen. Nachdenklichkeit hat zwar noch nie geschadet, aber hier steht trotzdem klar der Spaß im Vordergrund.


Und was bedeutet jetzt eigentlich der Titel - „double bind“?


Das ist ein psychologischer Begriff, der so was wie eine „Zwickmühle“, in der man steckt,  bedeutet – aber natürlich kann man auch an die Doppelbindungen in der DNA denken und an die (doppelte) Bindung zwischen die beiden Zwillinge (ein „doppeldeutiger“ Titel, eben).


Wie viel Arbeit  war es, so viele Songs zu schreiben und zu arrangieren?


Seeeeeeehr viel! Ich hatte zwar die Erfahrung der letzten zehn Jahre, in denen ich ja auch immer mehr Musik für unsere Schulaufführungen arrangiert und teils auch einfach zu bekannten Stücken dazu erfunden hatte, damit alle Ensembles mitmachen können – sonst hätte ich mich da auch nie dran getraut – aber (zum Glück) habe ich natürlich wieder mal total unterschätzt, was da wirklich auf mich zukommt.

Es war auch vorher schon oft eine Wahnsinns-Arbeit, aber dieses Mal ist es sicher das vier- oder fünffache (die Stunden hab’ ich nicht wirklich gezählt …). Zum Glück helfen wir uns im Planungs-Team, wo immer wir können und auch die anderen Kollegen und die Schüler sind wirklich absolut super bisher!


Was ist denn die Musik für ein Stil?


Insgesamt haben wir uns an den populären Vorbildern und dem, was uns bisher Spaß gemacht hat, orientiert; also vor allem rockig, poppig, aber auch etwas Latin und Jazz ist drin; es gibt auch wieder Balladen und sogar eine Art getragenen Walzer. Einiges hat aber sicher auch eine ganz eigene Note - wir sind sehr gespannt, wie das ankommt.


Sind für die Zukunft weitere eigene Musicals geben?


Das wäre natürlich klasse, aber  das können wir jetzt wirklich noch nicht sagen. Wir freuen uns jetzt erst mal drauf, dass DOUBLE BIND auf die Bühne kommt und hoffen auf eine tolle Resonanz.

Vielleicht machen wir nächstes Jahr auch erst mal wieder eine „Show mit rotem Faden“ (wie „Love is in the Air“ oder „Hits on the Road“). Dann werden wir vielleicht überlegen, ob wir wieder ein bekanntes Stück nehmen oder ob und wie wir noch mal was eigenes machen – schön wäre es mit längerem Vorlauf und noch mehr aktiver Schülermitarbeit im kreativen Vorbereitungsteil. Aber auch so wird das sicher schon dieses Jahr eine einmalig tolle Erfahrung.

Bildergalerie von ersten Treffen am 22.2.2010
Fotos: Uwe, Jan; Webteam, 3.6.2010