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Ein Kamel bleibt übrig




> Einleitung
> Erfolg
> Freundschaftsdienste
> Wieso bleibt ein Kamel übrig?


In Geschichten vom Herrn Keuner schreibt Bertolt Brecht Parabeln und natürlich sind es nicht die Funktionsgraphen einer quadratischen Funktion, sondern hier geht es um eine poetische Ausdrucksform, bei der allgemeine moralische Wahrheiten durch Vorgänge aus dem menschlichen Leben veranschaulicht werden.

Manche Geschichte vom Herrn Keuner ist dabei sehr kurz, z.B. diese:

> Erfolg


Herr K. sah eine Schauspielerin vorbeigehen und sagte: „Sie ist schön.“

Sein Begleiter sagte: „Sie hat neulich Erfolg gehabt, weil sie schön ist.“ Herr K. ärgerte sich und sagte: „Sie ist schön, weil sie Erfolg gehabt hat.“



Bild 1Im Mathematikunterricht der Klasse 8 C ist eine Geschichte vom Herrn Keuner eingesetzt worden, da die mathematische Modellierung*, d.h. eine geeignete Rechnung aus einem Text abzuleiten, die das Problem auch löst, den Schülerinnen und Schülern zumeist Mühe bereitet.


In „Freundschaftsdienste“ steckt die Mathematik hinter einem motivierenden Rätsel, das zudem noch von den Schülerinnen und Schülern verallgemeinert werden konnte.


Hier zunächst die Parabel:
(* Modellierung ist eine Fachvokabel: Eine reale Problemsituation wird mathematisiert, das mathematisierte Problem gelöst und die mathematische Lösung an der Realität überprüft)

( Auf dem Bild sieht man Sandy und Larissa aus der Klasse 8 C mit Kamel und einem Brecht-Buch.)

>

Freundschaftsdienste


Als Beispiel für die richtige Art, Freunden einen Dienst zu erweisen, gab Herr K. folgende Geschichte zum besten.

„Zu einem alten Araber kamen drei junge Leute und sagten zu ihm. „Unser Vater ist gestorben. Er hat uns siebzehn Kamele hinterlassen und im Testament verfügt, dass der Älteste die Hälfte, der zweite ein Drittel und der jüngste ein Neuntel der Kamele bekommen soll. Jetzt können wir uns über die Teilung nicht einigen, übernimm du die Entscheidung.“

Der Araber dachte nach und sagte.
„Wie ich es sehe, habt ihr, um gut teilen zu können, ein Kamel zu wenig. Ich habe selbst nur ein einziges Kamel, aber es steht euch zur Verfügung. Nehmt es, teilt dann und bringt mir nur, was übrigbleibt.“

Das KamelSie bedankten sich für diesen Freundschaftsdienst, nahmen das Kamel mit und teilten die achtzehn Kamele nun so, dass der Älteste die Hälfte, das sind neun, der Zweite ein Drittel, das sind sechs, und der Jüngste ein Neuntel, das sind zwei Kamele bekam.

Zu ihrem Erstaunen blieb, als sie ihre Kamele zur Seite geführt hatten, ein Kamel übrig. Dieses brachten sie ihm, ihren Dank erneuernd, ihrem alten Freund zurück.“

Herr K. nannte diesen Freundschaftsdienst richtig, weil er keine besonderen Opfer verlangte.



Wie ist es möglich, dass ein Kamel übrig bleibt?


Im Mathematikunterricht versucht man nachzurechnen und bemerkt möglicherweise, dass die Summe der vererbten Anteile kleiner als ein Ganzes ist, also:
Gleichung 1  
(in Worten: Ein Halbes plus ein Drittel plus ein Neuntel sind Siebzehn Achtzehntel.)

Das achtzehnte Achtzehntel ist demnach das Kamel des alten Arabers.

Man kann nun die Parabel zu einem mathematischen Rätsel umformulieren, denn die Anzahl der vererbten Kamele ebenso wie die Anzahl der geerbten Kamele pro Sohn müssen im Text nicht genannt werden, um eine Lösung zu finden.

Stattdessen wäre es möglich eine Gleichung für die Gesamtzahl x der Kamele aufzustellen und zu berechnen, wer wie viele Kamele erbt:
Gleichung 2
x ist dann achtzehn und der Rest ergibt sich.

(zitiert nach: Geschichten vom Herrn Keuner, suhrkamp, 1971)
gez.: Jörg Semmler, Lehrer an der DSL

Webteam 3.1.2008