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Dreieichschule
Gymnasium des Kreises Offenbach
Goethestr. 6, 63225 Langen
Tel: 06103-303390
Fax: 06103-3033911


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Das Jahr nach seinem Abitur 2007 an der Dreieichschule verbringt Frank Seidel in Südafrika, aber nicht als lässiger Tourist, sondern aktiv in sozialen Brennpunkten.

Wertet man die fünf Erfahrungsberichte aus, die er regelmäßig dem PoWi-Grundkurs 13 geschickt hat, fallen die Extreme auf, die Intensität der Erlebnisse, und zwar im Guten wie im Schlechten
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> Internatsschule
Sein Lebenskreis ist eine Internatsschule für 300 körper-, seh- und sprachbehinderte Kinder zwischen 5 und 18 Jahren. Frank Seidel wohnt selber einfach in einer umgebauten Scheune, sogar mit Grill, der aber nur ein halbiertes Ölfass ist, ein „Braai“.

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> Training von Alltagsfähigkeiten
(Das Cycling Team)

In der Schule versucht man mit geringen Mitteln ein umfassendes Förderprogramm durchzuziehen, um die Schüler selbstständiger zu machen, d.h. ihnen Alltagsfähigkeiten anzutrainieren. Es gibt ein Projekt „Gardening“, bei dem die Schüler lernen, Pflanzen anzubauen, um eigenes Gemüse zu haben. Mathematik wird am PC trainiert, und nach dem wöchentlichen  therapeutischen Reiten ist es im Bus immer sehr leise, weil vor Erschöpfung „die meisten auf der Rückfahrt einschlafen“.
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> Frank mit Schülern 4
> Extrem viele Ferien
Zum ersten Mal habe ich einen ehemaligen Schüler über zuviel Ferien klagen hören: Seidel kritisiert „die extrem vielen Ferien in Südafrika“, die viel Rückschritt und Leerlauf in der Therapie bringen. Zudem wohnen viele Schüler/innen der Ethembeni-School weit weg von der Schule: Am Monatsende ist „…das Geld für den Transport mit dem Minibustaxi zur Schule (…) manchmal einfach nicht da.“


Einige Kinder kehren deshalb nicht zum Schulbeginn, sondern „erst nach ein paar Wochen in die Schule zurück.“
> Frank Seidel
Frank Seidel
> Vielfältige Aufgabenbereiche

Neben physiotherapeutischen Arbeiten sind es auch einfache Handwerke, die zum Aufgabenbereich der Helfer gehören, vom Reparieren der Rollstühle über das Beibringen des Fahrradfahrens für ein zehnköpfiges Cycling-Team bis hin zum Backkurs (Lieblingsspeise der Schüler: „Vetkock“, das sind kreppelähnliche Kuchenbällchen).
> Neues entdecken
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Auf der anderen Seite ergaben sich durch die langen Ferien auch andere Möglichkeiten, Neues für sich zu entdecken: „Ich wollte viel von dem Land sehen, aber nicht die ganze Zeit on tour sein. Ich wollte in anderen sozial-praktischen Projekten aushelfen und meinen Horizont erweitern.“

Die erste Hälfte scheint überaus gelungen, man kann von vielen touristischen Höhepunkten lesen, von einer Wanderung durch die Drakensberge im Königreich Lesotho, über das Big Hole, das größte Diamantenloch der Welt, bis hin zum Besuch der Metropole Kapstadt.


Insgesamt 4000 km Busfahrt muss man aushalten können für eine Rundfahrt durch Südafrika. Besser als Achterbahn Fahren soll dabei die Mutprobe sein, sich in ein Minibustaxi für bis zu 15 Personen zu quetschen. Es sei „ein wahrer Todesritt“, nicht nur wegen der Fahrweise der Chauffeure.

Frank Seidel besucht auch andere soziale Einrichtungen und hilft dort aus, weißelt Räume, legt Plattenwege. Tief beeindruckt zitiert er aus einem Zeitungsartikel über eine Projektleiterin, Rebecca Tsiane, die ungefähr 90 Straßenkinder betreut.

„You see the progress and that little progress encourages you to go on,“ she says pragmatically. Tsiane’s life-story is an embodiment of community outreach and self-improvement. Apart from a fashion designing and dress making diploma from Moremogolo College, she has completed various courses ranging from bread making to business skills.”

Die Einblicke in das Land gehen immer über die Menschen und die Begegnungen mit ihnen. Alle, „die wir auf unserem Weg trafen, waren immer sehr freundlich, offensichtlich aber auch sehr arm. Oft wurden wir nach ein wenig Geld, Süßigkeiten oder Zigaretten gefragt. Nach einem höflichen ‚Li fedile pom pom/ cigarette’  (Seosotho für „ Ich habe leider keine Süßigkeiten/ Zigaretten’) haben wir uns aber immer noch so willkommen wie zuvor gefühlt“, berichtet er.

Aber es bleibt „ein schwer zu verstehendes Land“. So fehlen in den Berichten auch alle Reflexionen über politisch fragwürdige Beobachtungen. Der Besucher sieht zwar viele Grundstücke mit Stacheldrahtumzäunung und Sicherheitsdiensten, doch über staatliche Strukturen und gesellschaftliche Machtverteilung erfährt man nichts, zum Beispiel, wie weit die Folgen der Apartheid noch wirken, wie wenig Südafrika schon ein Sozialstaat ist oder warum die Regierung die benachbarte Diktatur Zimbabwe so stark unterstützt.

Konsequent sammelt Frank Seidel Erfahrungen und Erlebnisse, „Durchhänger“ bei der Arbeit werden überwunden durch Besuche aus der Heimat von Eltern und Freunden, „die viel Motivation und Kraft für die verbleibende Zeit“ geben.

Immerhin fast schon südafrikanisch denkend zeigt er sich bei der Bewältigung von Alltagsengpässen. Bis 2016 (!) sei nach Behördenauskunft Strommangel unabwendbar. Deshalb gebe es montags, mittwochs und freitags für je zwei Stunden eine Stromsperre (‚load Shedding’). In der Zeitung stände jede Woche  ein entsprechender neuer „Stromsperreplan“, nach dem man seine Essens- und Zubereitungszeiten bestimmen müsse. Für die von Südafrika mit Spannung erwartete Fußball-Weltmeisterschaft 2010 empfiehlt der Autor deshalb allen Besuchern, eine Taschenlampe für den Heimweg mitzubringen.

Wer sich für die Arbeit ausländischer Helfer oder für die angesprochenen sozialen Projekte interessiert oder sie sogar unterstützen möchte, kann sich Informationen holen unter den Adressen mail@ frankseidel.info und www.frankseidel.info
W. Tschorn, Webteam, 29.5. + 2.6.2008