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Hintergrund
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"Klicksalat" klingt nach Computer und Garten oder im übertragenen Sinn nach wildem Herumklicken im Internet.
Das Kunstwort drückt das unüberlegte und unreflektierte Verhalten des ahnungslosen - meist jugendlichen Nutzers - aus. Jugendliche, sprich Schüler, verbringen mehr Zeit an, vor und mit Medien als in der Schule. Anlass genug, um darüber gemeinsam nachzudenken.

(Jörg Kabierske präsentiert Klicksalat in der Turnhalle der Dreieichschule. Schulleiter Zotz stellt den Referenten den Schülern - hier der Jahrgangsstufe 9 - vor.)
Jörg Kabierske, Fachmann in Sachen Medienkritik, präsentierte in 90 Minuten wissenswerte Fakten, hinterfragte Schülerverhalten und wies auf Konsequenzen hin.
Doch ganz zu Beginn kam Kabierske darauf zu sprechen, dass sich Schüler schon früh über ihren zukünftigen Beruf Gedanken machen sollten. Er riet dem Sinn nach: Macht Ferienjobs, findet heraus, wie euer späterer Beruf aussehen könnte, macht Erfahrungen vielfältiger Art und Weise und seid nicht frustriert, wenn ihr herausfindet, dass ihr im Ferienjob nicht glücklich werdet, sondern seid froh, dass ihr das schon früh herausgefunden habt und nicht erst dann, wenn ihr mit diesem Job euren Lebensunterhalt verdienen müsst.
Der Übergang zum eigentlichen Thema war der Tipp, Seiten zu nutzen, die bei der Berufssuche helfen können. Auf diesen Seiten werden Schülern Fragebogen angeboten und damit der Schritt von der Privatsphäre in die Öffentlichkeit vollzogen.
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| Einige Tipps von Jörg Kabierske |
Tipp 1: "Lügt im Internet, wenn eure persönlichen Daten abgefragt werden, denn oft werden diese Daten missbraucht. Wofür sie gebraucht werden, bleibt meist unklar und begründet wird die Sammelwut der Frager nie. Das gilt natürlich nicht, wenn im Internet Verträge abgeschlossen werden oder etwas bestellt wird. Da müssen die Daten stimmen."
"Auf den oben erwähnten Fragebogen bezogen bedeutet das, dass nur solche Fragen beantwortet werden sollten, die keine Identifizierung des Nutzers zulassen".
Tipp 2: "Medienkonsum bedeutet die Nutzung aller Medien: Fernseher, Handy, Internet. Zwei Stunden sollte für Schüler in der Jgst. 9 die Grenze sein. Führt ein Medientagebuch und protokolliert die Zeiten genau. Eure Eltern sollten euch klare Grenzen setzen und dies auch kontollieren, klare Ansagen sind nötig."
Tipp 3: "Wenn ihr feststellt, dass ein Freund mediensüchtig ist, dann sprecht aus, was ihr davon haltet und schweigt nicht. Diese Sucht muss benannt werden und das soll dem Süchtigen auch klar gemacht werden. Schaut also nicht weg, wenn ein Freund nur noch vor dem Computer hockt und in der Schule in den Seilen hängt."
Tipp 4: "Haltet euer Handy ausgeschaltet, wenn ihr in der Schule seid. Die Gefahr dauernder Strahlung ausgesetzt zu sein, ist nicht zu unterschätzen und wissenschaftlich belegt. Dauernde Strahlung kann zu Unfruchtbarkeit und Zeugungsunfähigkeit führen."
(mehr in Schöne neue Medienwelt vom Vortragenden)
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Schülerbeteiligung |
Schüler beteiligen sich an der Diskussion, mediengestützt natürlich.
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Besondere Internetseiten in der Analyse |
Von Schülern besuchte und bevorzugte Seiten wie www.schuelervz.net sichern zwar sorgfältigen Umgang mit Schülerdaten zu, aber wer sich unter welchen Namen dort tummelt bleibt unklar, so die These von Jörg Kabierske. Auch unlautere Nutzer können nicht ausgeschlossen werden und Daten missbräuchlich verwenden. Selbst der Autor, dem Schüleralter längst enteilt, ist ohne Mühe Mitglied im Schülernet www.schuelervz.net. geworden.
Wenn sich eine Schülerin auf facebook (http://de-de.facebook.com/) als "Hasserin von Deutsch, Mathe, Sport, Biologie, Geschichte, Englisch und Latein" outet und als liebste Freizeitbeschäftigung "Saufen" angibt, so gewinnt diese Aussage dann besondere Brisanz, wenn viele persönliche Fotos diese Aussagen untermaueren. Manche Schüler nennen auch Hunderte von Personen ihre Freunde und es kommen täglich 20 neue hinzu. Wer hier als Freunde bezeichnet wird, kann nur ein Klick auf der Tastatur sein.
Solche Beispiele sind extrem, aber zeigen eine Tendenz auf: den blauäugigen Umgang mit Daten, die - einmal ins Internet gestellt - dort für immer verbleiben. Vor wenigen Tagen wurde in der Presse berichtet, dass es sogar zu einer Kündigung kam, weil sich eine Facebook Benutzerin dort so präsentiert hatte, dass der Arbeitgeber Anstoß nahm.
Jörg Kabierske bat die Schüler sich zu melden, wer msn benutzt. Fast alle Hände gingen hoch. Darauf wollte der Vortagende wissen, ob irgend jemand die allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen habe. Keine Hand ging hoch. In den Geschäftsbedingungen steht nämlich, dass der Betreiber dieser Homepage alle Daten so nutzen kann, wie es ihm passend erscheint.
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| Mobbing |
Zum Schluss gab Kabierske dem Publikum mit auf den Weg, sich nicht mobben zu lassen. Äußerungen wie "die ist fett" oder "hässliches Pickelgesicht" stellen mehr als nur Dummheit des Mobbers dar. Die verunglimpfende Person versucht nämlich auf diesem Weg Solidarität von außen zu erjagen. Häufig geschieht dies nicht direkt, sondern es werden perfide Umwege gesucht und irgendwann erfährt das "Opfer", was los ist. Da diese Äußerungen im Internet stehen, werden sie praktisch pausenlos wiederholt, ehe der Geächtete davon erfährt.
Deshalb muss dieses Verhalten bereits früh offensiv angegangen werden. Nur Öffentlichkeit hilft, auch wenn man dadurch zuerst verletzlich und isoliert erscheinen mag. Die These dazu heißt: Nur wer ein Opfer sein will, bleibt Opfer. |
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| Zwischen Wissen und Pornoseiten |
| Langener Zeitung vom 28.8.2009 |
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Webteam, 28 8. 2009 |
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