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Nach dem Studium arm wie Kirchenmaus?


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Preisfrage! Was haben Rosinen, Haselnüsse oder Mandeln mit der hessischen Landesregierung gemeinsam? Keine Idee...........?
Rosinen, Haselnüsse, Mandeln
Mal ein kleiner Tipp vorab. Die oben genannten Früchte sind unter anderem auch als „Studentenfutter“ bekannt. Der Name leitet sich einerseits von der angeblich intelligenzfördernden Wirkung, andererseits wegen ihrer vielfachen, günstigen Nutzung ab. Und damit kommen wir der Sache schon näher. Denn wer kennt als Hochschulgänger nicht dieses Dilemma: Das Abitur sicher in der Tasche und beste Aussichten, nach dem Studium einen Arbeitsplatz zu finden, allerdings mit fast Mitte Zwanzig immer noch kein „richtiges“ Geld verdient und finanziell abhängig.

Und genau an diesem Punkt kommt die Landesregierung unter Ministerpräsident Roland Koch ins Spiel. Mit dem Ende unseres Ratespiels sind wir auch beim Thema angelangt: Die längst beschlossenen Studiengebühren in Hessen.


> Schon geraume Zeit vor der Verabschiedung des umstrittenen Gesetzesentwurfes...


(Im Bild: Robert P., Autor dieses Artikels)

... im Oktober 2006 durch den Landtag mit CDU-Mehrheit , das ab kommenden Winter ein generelles gebührenpflichtiges Studium vorsieht, gingen Hessens Studenten und Schüler auf die Barrikaden. Und ein Ende des Widerstandes ist nicht Sicht. Schon werden fleißig Unterschriften gesammelt (mindestens 43300 sind notwendig), um Klage beim Staatsgerichtshof einzureichen, da die Beiträge gegen die Verfassung verstoßen würden. Doch fangen wir erst mal ganz von vorne an. Was versteht man denn nun unter „Studiengebühren“?


> Dazu ein paar Fakten:

Laut Gesetz kostet jedes Semester eines Hochschulstudiums ab Winter 2007 in Hessen mindestens 500 Euro, maximal 1500 Euro. Weil allgemein bekannt ist, dass nicht alle Studenten dieses Geld im Sparschwein haben, bietet das Land die Finanzierung aus einem Darlehen mit höchstens 7,5 Prozent Zinsen an, für jene mit Bafög-Anspruch (staatliche Unterstützung) ist es zinslos.

Die Gesamtschulden dürfen 15000 Euro nicht überschreiten. Darüber hinaus sind eine Reihe von Ausnahmefällen im Gesetz verankert, die teilweise oder vollständig von den Beiträgen befreien. Verantworten die Hochschulen zum Beispiel eine Verzögerung des Studiums, so ist für den gleichen zeitlichen Umfang keine Gebühr zu entrichten.

Zehn Prozent aller Studenten mit besonders guter Leistung sind von Zahlungen freigestellt, ebenso Eltern mit einem Kind unter 14 Jahren. Das Gleiche gilt bei Behinderungen. Wer 25 Jahre nach seinem Studium noch immer nicht zur Rückzahlung in der Lage ist, dem sollen die Schulden erlassen werden. Der Verdienst des ehemaligen Absolventen muss dann mindestens 1260 Euro netto im Monat betragen.

Und nun stellt sich die Gretchenfrage: Ist das denn alles wirklich notwendig?


> Immerhin, ...


...ein Anfang ist gemacht. Die jährlich geschätzten Einnahmen von 120 bis 130 Millionen Euro sollen einzig und allein den Universitäten zu Gute kommen, um die Qualität von Studium und Lehre zu verbessern. Im Detail sollen sie die Studienzeit verkürzen und für eine bessere Betreuung sorgen.

Außerdem, so der einhellige Tenor der Fürsprecher, decke die Campus-Maut gar nicht die Gesamtkosten. Das Land würde also immer noch drauf zahlen. Und es sei noch einmal gesagt: Deutschland ist bislang eines der ganz wenigen Länder, in dem ein Studium völlig kostenlos ist, im Gegensatz zu anderen Staaten (z.B. die USA). Man geht also mit der Zeit.
zur Fortsetzung

>

Laura Pfannemüller, Abiturjahrgang 2004 an der Dreieichschule und Studentin an der Universität in Mannheim, vertritt folgende Position:


Der Artikel zu den Studiengebühren "Nach dem Studium arm wie Kirchenmaus?" lässt keinen Zweifel an der politischen Richtung zu, die positiven Aspekte von Studiengebühren werden überhaupt nicht erwähnt, es wird ja förmlich dazu aufgerufen, irgendetwas zu unterschreiben, ohne das Thema Studiengebühren vorher adäquat zu präsentieren.


Ich als Studentin der Universität Mannheim (die sowieso schon privilegiert ist durch exorbitante Spenden) zahle gerne 500€, wenn danach Veranstaltungen in einer der Teilnehmerzahl angemessenen Raumgröße abgehalten werden (jeder, der schon einmal auf dem Boden sitzen musste, weiß, worüber ich spreche) und ich bei meinem nächsten Anliegen im Studienbüro nicht wieder 45 Minuten warten muss.
Des Weiteren wird in diesem Artikel die in unserem Land immer noch weit verbreitete Erwartungshaltung an einen allumsorgenden Staat vertreten, von der wir uns meines Erachtens in Zeiten von Globalisierung und demographischem Wandel nach und nach verabschieden müssen. Es wird nicht auf ewig möglich sein, dieses System in seiner jetzigen Form aufrechtzuerhalten, ohne einzelne gesellschaftliche Gruppen einer Mehrbelastung auszusetzen.


> Aber die Zweifel bleiben...

..., denn überall gilt: Wer zahlt, darf auch Leistung erwarten. Doch gerade in diesem Punkt mehren sich bei den Gegnern die Befürchtungen, dass sich gar nichts ändert und alles beim Alten bleibt. Eine Garantie, die ausreichend Plätze an den Universitäten und Prüfer für die Abschlussexamen verspricht, gibt es auch mit der Studiengebühr nicht. Das Gesetz grenzt zudem sozial schwächere Schichten aus. Wer seine Beiträge nicht sofort begleichen kann, muss wegen der Verzinsung sogar mehr Studiengebühren zahlen.

Am Ende seines Studiums startet man mit einem nicht unerheblichen Schuldenberg ins Leben, der noch bis in die Phase der Existenzgründung reichen wird. Dieser Vorwurf erinnert ein wenig an das Europa des 17. und 18. Jahrhunderts. Auch damals war Bildung nur den Reichen vorbehalten. Und in den Reihen der Kritiker nähren sich sogar schon leise Gerüchte, die behaupten, dass in ein paar Jahren trotz anderslautender Aussagen ein Teil der Einnahmen im Staatshaushalt verschwinden wird.
Egal, ob man ein Anhänger oder ein Gegner der Studiengebühr ist, ihr Sinn und ihre Notwendigkeit sollten auf jeden Fall kontrovers diskutiert werden. Sie ist nämlich richtungsweisend für die Zukunft unseres Landes. Dennoch kann niemand mit genauer Bestimmtheit sagen, welche Folgen ein beitragspflichtiges Studium für die Studenten in Deutschland haben wird. Doch gerade weil das niemand wirklich weiß, möchte man es nicht erst herausfinden müssen.


Von daher ist es einen Versuch wert, sich gegen die Studiengebühr zu erheben. Schaden kann es zumindest nicht. Aber maßvoll bitte! Und sollte der Staat doch ab nächsten Winter zur Kasse bitten, so hilft den enttäuschten Studenten vielleicht dieses Zitat von Rupert Schützenbach zu der Erkenntnis: „Gesetze dienen zur Durchsetzung des Rechts, aber nicht von Gerechtigkeit.“ Und die Rosinen und Haselnüsse bleiben ihnen ja auch noch. 


>
Frankfurter Rundschau vom 17.1.2006
(Auszug)

Mit Plastikenten gegen Studiengebühren

Die Frankfurter Asta-Vertreter sammeln auf der Zeil Unterschriften für eine Verfassungsklage vor dem Hessischen Staatsgerichtshof
Sie stehen in Fußgängerzonen oder vor der Mensa. Sie sprechen Kommilitonen an, aber auch Rentner. Die Gegner der in Hessen geplanten Studiengebühren sammeln Unterschriften für eine Verfassungsklage. 10 000 Signaturen haben sie schon zusammen, doch noch immer fehlen 33 000.

Frankfurt ·

Auf dem langen Tapeziertisch stehen Dutzende von gelben Plastikenten herum. Die Viecher sind so etwas wie die Maskottchen der Studentenproteste geworden. Auf die Enten aufgedruckt ist ein Paragrafenzeichen. Symbol dafür, dass der Widerstand gegen Studiengebühren mittlerweile auch auf juristischer Ebene ausgetragen wird. Mike Josef und Moon Matin vom Asta der Frankfurter Goethe-Universität stehen an diesem windigen Wintertag in der Nähe der Zeilgalerie und bitten Passanten um Unterschriften. Wer seine Signatur unter das Formular setzt, tut damit kund: Ich unterstütze eine Verfassungsklage, in der die Richter die Rechtmäßigkeit von Studiengebühren überprüfen.....
Webteam, 16.1. + 17.1.2007