Ständig gibt es Reformen in der hessischen Bildungspolitik. Doch während sich unser Schulalltag fortlaufend ändert, besteht die Projektwoche in ihrer jetzigen Form schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Hat die Zeit das Konzept der Projektwoche überholt oder ist diese immer noch zeitgemäß?
Bei der Präsentation der Projektwochenergebnisse am Mittwoch, den 1.10.08, hingen erwartungsgemäß viele Plakate in den Räumlichkeiten der Dreieichschule. Jedoch gab es auch andere Präsentationsmittel; hergestellte Produkte (wie z.B. Perlenschmuck), Powerpointpräsentationen (Klimamessung) und praktische Vorführungen (Capoeira, s. Bild unten) stellten eine abwechslungsreiche Form der Gesamtpräsentation sicher.
Hinsichtlich der Mediennutzung hat sich in den letzten Jahren schon viel geändert, aber an dieser Stelle darf die Innovationsfreudigkeit unter keinen Umständen gedämpft werden. Wer weiß, vielleicht entsteht so im Rahmen der nächsten ProWo beispielsweise eine Radiosendung…
Noch viel wichtiger allerdings war und bleibt der Inhalt. Was wurde in der Projektwoche getan, wie aktuell waren die angebotenen Projekte? An dieser Stelle lässt sich deutlich feststellen, dass die Projekttage der DSL mit der Zeit gehen. „Speed Stacking“ (s. Bild unten) als neue Spiel-Sportart wurde genauso thematisiert, wie gesellschaftliche Aspekte, die bei genauerer Betrachtung aktueller denn je sind, so wie „Fairer Handel“.
Die Projekttage bieten den Lehrern und interessierten Schülern die Möglichkeit zu kurz gekommene Unterrichtsinhalte zu vertiefen oder nie angesprochene Materie zu erforschen. Das ist sehr sinnvoll, denn selbstverständlich sind die Interessen von über 1200 Schülern niemals auf einen Nenner zu bringen. Gerade durch die eigenverantwortliche Wahl der Projekte wird eine motivierte Arbeitsgemeinschaft während der ProWo garantiert. Wer sich für ein Projekt einschreibt, hat auch Interesse an diesem und somit ist die Projektwoche um einiges effektiver als der übliche Unterricht.
Würden solche Arbeitsgruppen öfter zusammenkommen, so würde ein schnelleres Vorankommen im Unterricht sichergestellt werden können. Dann wäre zwar die Abdeckung eines möglichst breiten Allgemeinwissens in den Hintergrund gerückt, dafür hätten die Schüler aber auf einigen Gebieten einen tieferen Wissensstand und wären zudem durch die selbst gewählten Themengebiete viel motivierter als im herkömmlichen Unterricht. So könnte in kürzerer Zeit mehr Wissen vermittelt werden.
Eine hervorragende Lösung wäre eine Kombination beider Schulformen, d.h. so, wie sie jetzt besteht, durchzogen von mehreren Projektwochen pro Jahr, folglich eine Art Allgemeinbildung mit durch Interesse gewählter schwerpunktartiger Vertiefung.
In der jetzigen Projektwoche gab es neben dem Kennenlernen neuer Inhalte und Präsentationsmöglichkeiten noch einen weiteren wichtigen Faktor, der sonst oft zu kurz kommt: Durch die jahrgangsübergreifenden Projekte nähern sich Jahrgangsstufen an. Jahrgangsstufen, die sonst womöglich nicht viel miteinander zu tun haben und die Schulgemeinschaft wird zusammengeschweißt.
Alles in allem kann man sagen, dass das, was in der vergangenen Projektwoche betrieben wurde (Forschungen und Diskussionen zu einem Thema, an dem man interessiert ist), doch schon an die Konzeption des Studiums erinnert. Und somit ist die Projektwoche insgesamt unserer Zeit keinesfalls hinterher, sondern eher voraus.
Lara Strathus |